Psychologie beim Trading – das A und O

Was hat Psychologie mit Traden zu tun?

Alles, aber auch wirklich alles beim Traden hat mit Psychologie zu tun! Die ersten Infos, die man im Netz findet sind folgende Kennzahlen: Trading besteht aus 20% Wissen und 80% Psychologie. Das schien machbar:) “Musst Dich halt zusammenreißen, nicht gleich an die Decke gehen, nur weil Du mal im Verlust hängst!” HAHA Denkste! Was da für ein Brocken zu stemmen war, hätte ich mir nicht einmal im Traum vorstellen können. Birger Schäfermeyer hat mal in einem Video gesagt: Man muss in der Lage sein, sich jeden Tag wieder in die gleiche Stimmung zu versetzen, bevor man den ersten Trade in den Markt legt. Damals fand ich diese Info interessant, heute versuche ich jeden Tag genau das. Schlechte Laune? Miesen Tag erwischt? Laptop bleibt aus. Punkt. Der reinste Kapitalschutz! Ich bin ihm sehr dankbar für diese Information damals.

Was genau ist denn gemeint mit Psychologie beim Traden?

Meine anfängliche Vermutung, Psychologie bedeutet in diesem Fall nichts weiter als ruhig zu bleiben, wurde definitiv NICHT bestätigt. Es ist Ziel des Ganzen, ruhig zu bleiben, aber ein steiniger Weg bis dahin, weil er aus mehreren Faktoren besteht. Hier ein paar Ansatzpunkte, mit denen man schon ein ganzes Stück Ruhe rein bringen kann. Später kommt die Sicherheit hinzu, die Dir Deine persönlichen Strategien bringen werden, aber für den Anfang ist diese kleine To Do Liste sicherlich ganz hilfreich:

  • Schule Deinen Blick
  • Beziehe alle Faktoren mit ein in Deine Planung, die Dir Sicherheit geben
  • Lerne, Verluste zu akzeptieren ohne wenn und aber
  • Arbeite mit einem CRV, das zu Deiner Kontogröße passt
  • Plan A und Plan B für jeden Trade
  • Lass’ Dich nicht verunsichern durch die Schauspielerei der aktuellen Kerze

Pflücken wir diese Bausteine der Trading Psychologie mal auseinander:


Schule Deinen Blick

Deinen Blick schulen in ständigen Wiederholungen bringt erste Ruhe rein. Und genau die brauchst Du, um keine Emotionen aufkommen zu lassen, die Dir Verluste durch Wut, Angst, Gier oder Hoffnung und die dadurch entstandenen Trades verschaffen. Da die Kurse prinzipiell immer wieder dasselbe machen, wirst Du nach kurzer Zeit schon einige Bewegungen wiedererkennen. Als kleinen Tipp würde ich Dir raten, Dich zu Beginn auf drei Kurse einzuspielen. So kannst Du unterschiedliche Verhaltensweisen kennenlernen, kommst aber nicht durch zuviel Input durcheinander. Ganz zu Anfang weiß man sowieso noch nicht, auf was man achten soll. Ich saß die ersten Wochen vor den Charts wie der Ochs’ vorm Berg. Rote und grüne Kerzen, mal groß, mal klein. OK. Aber woher zum Geier sollte ich wissen, wohin die Reise als nächstes geht. Diese Unsicherheit gilt es nach und nach zu eliminieren, denn je mehr Details Du weißt, desto weniger Schweißausbrüche stehen Dir bevor. In meinem Ebook habe ich eine kleine Übung abgebildet, mit der man seinen Blick schulen kann.  Hier der Link zum Buch.

Beziehe alle Faktoren, die Dir Sicherheit geben, mit in Deine Planung ein

Je häufiger Du die erste Übung durchführst, also je besser Dein Auge die Kursverläufe erkennt, desto mehr Details geben Dir Sicherheit. Als nächsten Schritt kannst Du dann beispielsweise die RSI in Deine Beobachtungen mit einbeziehen. Kursbewegungen kannst Du dann mit den Werten der RSi vergleichen. In der nächsten Zeit wirst Du dann die Bestätigung erhalten, dass die Werte der RSI und das Kursverhalten häufiger die gleichen Abläufe zeigen, die Du schon einmal beobachtet hast. Ein anderes Beispiel wäre der Breakout des DAX um 9.00h. Die Unruhe, die in den Kerzen plötzlich stattfindet macht Dich anfangs eher nervös. Nach häufigen Wiederholungen bringst Du für Dich selbst Ruhe rein. Du kennst die Abläufe und handelst danach. Von solchen Faktoren so viele wie möglich zu sammeln sollte eines Deiner ersten Ziele in Deiner Ausbildungszeit sein.

Lerne Verluste zu akzeptieren ohne Wenn und Aber

Das ist alles andere als leicht, wenn es um das eigene Portemonnaie geht. Aber eines meiner Vorbilder – Rayner Teo – hat mal folgenden Spruch getwittert:

If you can’t take a small loss, sooner or later you will take the mother of all losses

Im Trading muss nicht jeder Trade ein Gewinner sein, es geht darum höhere Gewinne als Verluste zu machen. Von hundert Trades können 50 und mehr Verluste einbringen, solange die restlichen zusammen einen höheren Gewinn produzieren. Aber sitze mal 50 Minustrades aus und bleib’ genauso ruhig dabei, wie Du anfangs warst, als Du die Charts geöffnet hast. Da kommt wieder die Psyche ins Spiel. Der sind diese 50 Verluste nicht egal. Und da wird das Zusammenspiel wieder klar ersichtlich: ohne Emotionen zu traden, und egal was kommt, seine Strategie durchzuziehen, ist ein harter Brocken. Das schafft man nur mit ordentlicher Planung, Geduld, und einer vernünftigen Basis, die man sich erstmal erarbeiten muss.

Arbeite mit einem CRV, das zu Deiner Kontogröße passt

Panik läßt sich nur vermeiden, wenn man in der Lage ist, den Betrag als komplett egal abzuhaken, den man gerade ins Risiko bringt. Arbeitest Du mit einem 1000 Euro Konto, und riskierst aber 800 Euro für einen Trade, ist eine Panik nicht zu vermeiden. Viel zu viel Risiko, Du schaffst keinen zweiten Trade dieser Größenordnung, wenn der hier daneben geht. Das darf nicht sein. Ruhe bewahren geht nur, wenn Du vernünftig mit Deinem Kapital umgehst. Heißt: Wenn Du einen SL von 800 Euro setzen musst, weil Deine Strategie diesen Abstand für den Stop Loss vorgibt, solltest Du an der Positionsgröße schrauben. Klar kann man viel gewinnen mit solch’ einem hohen Einsatz, aber auch viel verlieren. Und das wirst Du höchstwahrscheinlich auch, weil Du so dermaßen nervös wirst bei dem Risiko, dass Du gar keine klaren Einschätzungen mehr abgeben kannst. Sobald Du diesen Trade eröffnest, wirst Du nur noch um Dein Kapital zittern. Das darf nicht Sinn und Zweck des Tradens sein. Denkt man mal weiter und stellt sich das Gezitter jeden Tag vor, erliegt man eher nem Herzinfarkt als reich zu werden. Also Goldene Regel: 1% des Kapitals pro Trade riskieren. Punkt. Natürlich kannst Du dann nicht den riesen Gewinn erzielen, aber eben auch keinen zu großen Verlust. Mit diesen verhältnismäßig kleinen Beträgen hältst Du Deinen Puls unten und Dein Kontostand steigt langsam aber sicher. Ruhe rein bringen ein absolutes Muss!

Plan A und Plan B für jeden Trade

Es kann Dich nichts erschrecken, auf was Du vorbereitet bist. Planst Du nicht nur einen Gewinn ein, sondern auch den Fall des Verlusts, der vernünftig eingeplant, gut berechnet und entbehrlich ist? Dann bist Du auf einem guten Weg! Man kann sogar einen Schritt weiter gehen, und damit arbeiten, wenn der Trade gegen einen läuft. Denn es liegt eine neue Information vor, die Dich vielleicht zum nächsten Gewinner führt. Plan A: der Trade läuft in meine Richtung bis etwa zu dem und dem Punkt. Da kommt mein TP hin. Eventuell schließe ich manuell, wenn der Kurs vor Erreichen meines Ziels schwächer wird oder korrelierende Kurse plötzlich abdrehen. Plan B: Der Kurs läuft gegen mich. Wo setze ich einen vernünftigen, aber kleinstmöglichen Stopp hin UND wo geht die Reise als nächstes hin, wenn dieser Fall eintritt? Kläre diese Fragen VOR Deinem ersten Trade mit Dir selbst. Auch das bringt Ruhe und Sicherheit in Dein Trading.

Lass’ Dich nicht verunsichern durch die Schauspielerei der aktuellen Kerze

Mit diesem Problem habe ich immer noch zu kämpfen. Ich plane, nutze alle meine Tools, mit denen ich wirklich schon ziemlich sicher umgehe, und dann geht die Schauspielerei der aktuellen Kerze los. Sie ist wirklich durch ihr Gezucke in der Lage, meine gesamte Planung über den Haufen zu werfen! Hierfür möchte ich Dir einen kleinen Tipp an die Hand geben: Beobachte sie mal ganz in Ruhe über Stunden hinweg. Das geht am besten im M5 Chart. Schau mal wie sie sich verhält, auch hier gibt es immer wiederkehrende Verhaltensmuster. Schule Dein Auge darauf, Du wirst überrascht sein, wie gut man diesen Feind kennenlernen kann.

 

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