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Kapitel 1 Mein 1. Jahr als Trader

Kapitel 1 Mein 1. Jahr als Trader

Hey Ho, 

ich habe dir hier das erste Kapitel meines Büchleins zum reinschnuppern bereitgestellt, einfach um dir mal zu zeigen, dass ich nicht nur komplett bei Null angefangen habe, sondern auch einen erbitterten Kampf geführt habe. Nicht umsonst gebe ich immer den Hinweis der „Schmunzelgarantie“ zu dem Buch:) Viel Spaß beim Lesen!

Ebook Mein 1. Jahr als Trader von Sandra Kalde

Kapitel 1

Meine ersten Schritte 

Um es grob zusammenzufassen:
Was man an der Börse handeln kann, und wie das Ganze funktioniert, wusste ich nicht so genau, jedoch wird man ja ziemlich häufig mit Werbung zu diesem Thema zugeschüttet. Ursprünglich war ich durch das Börsenspiel meiner Kids in der Schule auf die Idee gekommen, Aktien zu handeln, doch erste Schritte in meinem Demokonto ergaben ziemlich hohe Gebühren für das Eröffnen einer Position. Das entsprach nicht dem, was ich mir vorgestellt und wovon ich gelesen hatte. Also suchte ich weiter. Was hatte es auf sich mit den Videos, in denen die Trader immer nur kurz in den Markt sprangen, und dann relativ zeitnah wieder raus mit Gewinn.
Es dauerte nicht lange, bis ich den Forex Markt entdeckte – und natürlich den DAX:) 

Mit weiteren Videos auf Youtube erarbeitete ich mir erstes Wissen über den MT4 und andere Handelsplattformen, und verschaffte mir einen groben Überblick über die zahlreichen Möglichkeiten, die mir die jeweilige Software zur Verfügung stellte. Stopp Loss, Take Profit, vertikale, horizontale und diagonale Linien, Indikatoren, Oszillatoren und weitere Hilfsmittel versprachen ein erfolgreiches Handeln. Der erste Eindruck vermittelte die Anwesenheit von so vielen kleinen Helfern, dass doch eigentlich gar nichts mehr schief gehen konnte. Ich versuchte erste Strategien zu verstehen, die ich mir unter anderem in vielen Livetradings meines Lieblingsmentors immer wieder anschaute. Später werde ich ihn noch vorstellen. Er ist damit einverstanden, ich habe extra gefragt:) 

Dies waren also meine ersten Schritte, mit denen ich mich zunächst einmal Stück für Stück in die Verluste hineingearbeitet habe, weil ich nach kürzester Zeit glaubte, mein Chance-Risiko-Verhältnis gut im Griff zu haben.
Ich fühlte mich sicher im Umgang mit der Software, die Summe auf dem Handelskonto hatte ich brav als Risikokapital abgeschrieben, sie war also entbehrlich. Und dann ging’s los: 

Der Kurs wurde zu meinem Feind! Egal welcher – ob DAX oder Währungspaar.
Der bösartigste Gegner, den ich je kennengelernt hatte! Binnen kürzester Zeit gab es keine Schimpfwörter mehr, die ich ihm noch nicht entgegengeschleudert hatte, ich hätte vor Wut in den Tisch beißen können, weil er permanent und mit aller Dreistigkeit gegen mich lief. Gefühlte 1000 Jahre lief er in die gleiche Richtung, nur in dem Moment, als ich meine Position eröffne, dreht er!

„Das kann doch nicht sein!“
„Der Broker hat doch bestimmt die Software manipuliert!!!“
„DER DEUTSCHE AKTIENINDEX DREHT, NUR WEIL KLEIN SANDRA AUS CELLE EINGESTIEGEN IST??? DAS IST DOCH BETRUG!!!“
Kennst Du diese oder ähnlich formulierte Sätze, die man während des Tradens dem Laptop oder PC entgegen schreit?
Ich schon:) Meine Kinder wussten immer – ohne Börsennews zu schauen – wann der DAX gedreht hat, denn Muttis Flüche waren ja nicht zu überhören:)) 

Natürlich war es nicht der Kurs, der ja einfach nur tat, was er immer tat. Nämlich steigen oder fallen. Nein, es war meine Wut, mit der ich es zu tun bekam. Mein Denken und das darauf basierende Handeln, doch dessen war ich mir zu diesem Zeitpunkt noch lange nicht bewusst. 

Mein Broker rief mich mal einige Wochen nach meiner Kontoeröffnung an, und fragte, wie es lief. Meine Antwort: „ Ja prima, Verluste kann ich schon!“
Genau das ist das Faszinierende am Trading:
Verluste laufen lassen und Gewinne reduzieren klappt im Live Konto von Anfang an ohne jede Übung. Um das zu schaffen braucht man keinerlei Indikatoren, keine Oszillatoren, nichts! Warum? 

Weil genau das passiert, was viele Trading Videos versuchen zu vermitteln: 

Angst, Wut, Gier und Hoffnung bestimmen häufig unserer Reaktionen im Alltag, und so auch unser Verhalten beim Traden. Doch diese Infos in einem Video vermittelt zu bekommen, oder diese Szenarien dann live zu erleben, ist mit Nichten dasselbe. Im Gegenteil: Es liegen Welten dazwischen! 

Natürlich waren die Gründe für mein Scheitern die überall genannten Gegner Wut, Angst, Gier und Hoffnung, doch das sagt man sich nicht, wenn man gerade mitten im Verlust hängt. Man sagt sich nicht: Oh, Du bist gerade wütend, lass das. Nein, man IST EINFACH WÜTEND!
Man sieht sich eben nicht von der Seite und sagt: Bleib ruhig, handele vernünftig! Statt dessen erlebt und empfindet man diesen Wutanfall, die Verzweiflung, die Hoffnung, dass der Kurs doch noch dreht, usw.
Also musste ich zu der eigentlichen Aufgabe, die Charts lesen zu lernen, noch eine Möglichkeit finden, mein Erleben und Empfinden zu steuern. Langsam aber sicher wurde klar, warum Trader der schwierigste Beruf ist. 

Wie gesagt, das war grob zusammengefasst mein Anfang.
Ich dachte, ich habe alles im Griff durch ein paar Videos und das Beherrschen der Software. Und ich wusste ja auch, dass DAX und EUR/USD entgegengesetzt laufen. Also was konnte da bitte schief gehen???
Tja in Wahrheit hatte ich lediglich ein wenig an der Oberfläche gekratzt, war jedoch weit entfernt vom Geld verdienen mit den Charts.
Aber Fakt ist eines definitiv:
Das einzige Hindernis zwischen Dir und Deiner Million an der Börse bist tatsächlich Du selbst! Arbeitest Du ernsthaft an Dir, schaffst Du es! Das Geheimnis heisst:
Immer weitermachen! Gestalte Dir selbst – auf Dich zugeschnitten – eine zweigleisige Ausbildung, die zum Einen Dein Wissen optimiert, und zum Anderen Deine Psyche schult. Dann schaffst Du es. 

Es läuft was falsch! 

„Ich muss den Stopp nur weit genug wegziehen, der dreht schon wieder!“ Resultat: Verluste laufen lassen geht doch ganz leicht:) 

„Ich bin im Gewinn, der läuft noch weiter!“
Doch plötzlich dreht der Kurs, und holt sich alle Deine bisher angelaufenen Gewinne zurück. Läuft er sogar bis ins Minus, kommt man ins Schwitzen.
Zudem optimierte die völlige Ahnungslosigkeit noch meine Verluste, doch da kam ich erst nach ein paar Wochen hinter. 

In all‘ diesen Situationen ist eine Kombination aus Angst und Unwissenheit am Start. 

Natürlich lief der Kurs nach Schließen der Position noch weiter in meine gewünschte Richtung, doch ich schloss voller Panik nach Sekunden meine Position. Es war ein einziger Kampf gegen die aktuelle 5 Minuten Kerze, ohne jeglichen Plan. Resultat: Gewinne reduzieren – erfolgreich geklappt. 

„Man muss dem Kurs Luft lassen, ich ziehe den Stopp noch weiter weg.“
Resultat: Der Einzige, der Luft brauchte, war ich. Besser noch eine Sauerstoffmaske – beim Anblick meines Kontostands. 

All diese Beispiele zeigten mir, dass die Regeln, die ich mir aus dem Netz gesucht hatte, absolut nichts nützten, solange ich keinerlei Ahnung hatte, wie sie richtig angewendet wurden. Schlimmer noch: Ich hatte keine mehr davon im Kopf, sobald ich eine Position eröffnet hatte. 

Sicher gibt es die feste Regel, dem Kurs Luft zu lassen, wenn auch in einem völlig anderen Zusammenhang. Doch in einem Moment, in dem ich fett im Minus hing, suchte ich alle Informationen zusammen, die mir einfielen. Und es war IMMER eine dabei, die dafür sprach, den aktuellen Trade noch nicht zu schließen. 

Zudem wurde in vielen Videos immer wieder erklärt:
Du brauchst nicht nur einen Einstieg, sondern auch ein Ziel, wenn Du einen Trade eingehst. Mein Ziel bestand stundenlang darin, ohne Verlust aus der Nummer raus zu kommen, und eine weitere Sorge schlich sich während meiner Wartezeit ein: nämlich ob die Maus noch funktioniert in der Sekunde, in der ich sie brauche, um die Position zu schließen,
oder ob sie aufgrund zweistündigem Angstschweißes nicht schon dem Wasserschaden erlegen war.

Kurze Anmerkung für Produzenten von Mäusen:
Wir Trader könnten in unserer Ausbildungszeit schon eine wasserdichte Variante gebrauchen:)
In solchen Situationen, wenn man überhaupt keinen Plan hat, was man da tut, wird der Kurs zum Sadisten: Er läuft gaaaanz langsam gegen Dich, scheint Dich förmlich anzugrinsen und zu sagen: „ Na komm‘, schließe Deine Position, dann drehe ich! Sonst nich‘!!! Die reinste Folter, oder?
Und das Handelskonto? In kürzester Zeit geschrottet – natürlich. 

Die gleichen Situationen erlebt? Supi, willkommen im Club:)
Hier unterscheidet man also die Jäger von der Beute am Markt.
Wo steige ich ein, wie reagiere ich, egal wohin der Kurs läuft. Jäger sind einen Schritt voraus, haben für jeden weiteren Verlauf nach dem Einstieg einen Plan und sind innerlich total ruhig. 

Die Beute sitzt wie eben beschrieben die sich im Minus befindenden Trades aus, getrieben von Hoffnung. 

Meine Vorbereitung war bis dahin definitiv mangelhaft bis ungenügend ( wie in der Schule – manche Dinge ändern sich nie:))
Ein konkreter Ausbildungsplan musste her, der für mich als Anstrengungsvermeider umsetzbar war. 

Also lauteten meine Fragen: 

  1. Was MUSS ich wissen? 
  2. Was brauche ich nicht?                
                                                                                                                                             

 Der Grund für mein Versagen war nicht eine falsche Strategie oder eine falsche Umsetzung meiner Strategie, sondern folgende Tatsache: Ich hatte keine Strategie! Ich DACHTE ich hätte eine Strategie aufgrund der vielen Infos aus vielen Videos, doch nur weil man einen Trendkanal einzeichnen kann heißt das noch lange nicht, dass man auch traden kann.
Fehlersuche
Meine Fehlersuche nach einigen verlustreichen Wochen im Echtgeld Konto ergab so einige Treffer. Hier ein paar Beispiele: 


Fehler Nr.1:
Meine Disziplin.
Konsequent raussuchen, welche Infos ich benötige, sie lernen bis sie sitzen, und alles rausschmeissen, was falsch läuft. Dafür hatte ich aufgrund meiner Ungeduld bisher viel zu wenig Zeit aufgebracht. Mein Plan war eher der, in den nächsten Tagen so einen großen Gewinn einzufahren, dass alle bisherigen kleinen Verluste egal sein würden. HAHA, ohne Wunderlampe klappt das nicht. 


Fehler Nr.2:
Emotionen: RAUS!!! Ihr habt hier absolut nichts verloren.
Weder Euphorie noch Wutanfälle sind erlaubt!
Als erste Konsequenz nahm ich mir vor, den Rechner auszuschalten, sobald sich einer dieser beiden mentalen Störenfriede in mein Denken einschleicht. Das war der einzige Weg, der mein Kapital schützen konnte. Zusätzlich gab ich mir damit selbst einen auf den Deckel, weil ich an diesem Tag dann nicht mehr weiterkam. Und ich hasse es, Zeit zu verschwenden – aber Strafe muss sein!

Ein Wutanfall lässt mich neue Trades aus purem Frust eingehen, nur um meinen Verlust wieder reinzuholen – möglichst noch mit doppelter Positionsgröße!!! Euphorie lässt mich unvorsichtig werden. Jetzt habe ich ein paar Gewinne gemacht, jetzt kann ich mehr riskieren – ich setze ja bloß den Gewinn ein. Trugschluss. 

Reaktionen nachhaltig verbessern durfte nicht nur so ein Vorsatz werden, den ich dann jedes Mal, wenn es darauf ankam, vergaß – so wie man sich jedes Jahr zu Sylvester vornimmt, gesünder zu leben etc. Nein, es musste eine Konsequenz her, um Folgendes zu verhindern: 

Ausgestoppt, also Verlust gemacht – uuuuund ab wieder rein in den Markt, diesmal in die andere Richtung! „Das hole ich mir zurück!“
Haha denkste!
Den Rechner auszuschalten, bevor ich so reagieren konnte, war eine wirksame Methode, die recht schnell schlimme Folgen verhinderte. 

Durch das Einhalten dieser Maßnahme und der daraus folgenden schlechten Laune für den Rest des Tages ergab sich dann die nächste Frage:
Wie kriege ich diese Fehler behoben?
Emotionen kann man nicht einfach ausschalten! 

Fehler Nr.3: 

Folgendes hatte ich noch überhaupt nicht erledigt: Genügend Wissen aneignen zum Thema Chartanalyse, Korrelationen herausfinden, Ideen backtesten, Werkzeuge erlernen. Was sagen die verschiedenen Timeframes eigentlich aus und wie nutze ich sie für mich? In welchem Zeitraum passieren welche Bewegungen? Wie komme ich da am besten rein? Wohin mit SL und TP? Fehltrades im Nachhinein mal im Chart anschauen: Wo war entry, wo exit? CRV berechnen… 

Nichts von all dem war erledigt! Wie konnte ich so bescheuert sein, trotzdem schon Trades einzugehen??? 

Ich dachte, ich hab alles verstanden, nur weil ich mir ca. 30 Videos angeschaut hatte. Hier sah alles ganz leicht und immer gleich aus, aber die Trades dann auch so umzusetzen, dass sie Gewinne brachten, klappte überhaupt nicht. Mir fehlte jegliche Sicherheit, Übung, Hintergrundwissen, ein Plan an sich. 

Zu diesem Zeitpunkt fand ich übrigens meinen Mentor auf Youtube, und seine faszinierende Art brachte Ruhe in mein Trading. Ich legte mich auf seine Videos fest und ließ Tag ein Tag aus seine Playlist laufen. Versuchte seine Denkweise und innere Ruhe zu übernehmnen. Den ganzen Tag über liefen die Videos, abends sogar als Hörspiel zum Einschlafen. Nach und nach prägten sich seine Erklärungen ein, und sobald ich mich an den Chart setzte, fiel mir alles wieder ein. Faszinierend, wie viel 

man sich merken kann, wenn man sich wirklich dafür interessiert. Wie gesagt, zu meinem Vorbild später mehr!
Und so entschied ich mich, ein wenig Struktur in meinen Ausbildungsplan zu bringen, denn es schwirrten mittlerweile viele viele Infos durch meinen Kopf, aber es gab noch kein logisches System. 

Also stellte ich mir folgende erste Liste auf: 

Meine ersten Regeln und Aufgaben 

Sicherlich war ich viel zu früh mit echtem Geld in den Markt gesprungen, aber es ergaben sich auch einige Vorteile hieraus. Erste Erfahrungswerte, auf die ich aufbauen konnte. Im Laufe des letzte Jahres passierte dasselbe Phänomen, welches immer auftritt, wenn man sich intensiv mit einem Thema beschäftigt: 

Mit jeder gefundenen Antwort ergaben sich automatisch neue Fragen! Und genau so kommt man Schritt für Schritt ans Ziel. Dieses selbst Erleben brachte mir viel mehr, als nur Videos anzuschauen, denn sie zeigen Trader bei der Arbeit, die das nötige Hintergrundwissen, den entsprechenden Blick und jede Menge Erfahrungen besitzen. Was in deren Köpfen vorgeht, lernt man nicht. Auch wenn oftmals erklärt wird, warum der aktuell gezeigte Trade eingegangen wurde, bekommt man alle Kleinigkeiten, die ein geschultes Auge aufnimmt, gar nicht mit. Sie sind für den Herausgeber des Videos selbstverständlich, für den Lehrling jedoch böhmische Dörfer. Besonders wenn man keinerlei Vorkenntnisse besitzt. 

Hier also die Liste mit meinen ersten Aufgaben: 

1) Einen Überblick verschaffen, welche Kurse ich handeln möchte.
Nur den DAX handeln wollte ich nicht, allein schon weil die Währungspaare viel mehr Möglichkeiten hergaben. Also alle Paare raussuchen, die interessant waren, sie beobachten und lernen, was der Chart hergibt.
Wichtig: Ein Gefühl dafür bekommen. 

2) Mit sorgfältiger Vorarbeit den Umgang mit den einzelnen Werkzeugen eines Traders lernen und eine Strategie finden, die am besten zu mir passt: im Demokonto ausprobieren! Auge schulen auf entsprechende Einstiege und dazugehörige Stopp Level. So lange wiederholen, bis es langweilig wird, so dass Emotionen deshalb nicht mehr hochkommen!!! 

Ha!! Beim Erstellen dieser Liste hatte ich eine Idee, wie es klappen könnte, Emotionen auszuschalten – nämlich durch Erfahrungswerte und Routine. Ausprobieren war angesagt! 

3) Positionsgrößen abstimmen auf meine geplante neue Kontogröße und im Demokonto ( dieses auf den gleichen Betrag setzen lassen ) konsequent handeln. Stopps ebenfalls planen und konsequent umsetzen. Ohne wenn und aber! Ist der Stopp zu groß bei Deiner Tradeidee – lass es einfach! Ein CRV stellt man nicht auf, um es zu ignorieren. 

Zusätzlich zu Punkt 3 habe ich mir dieses Beispiel aufgeschrieben: 

Nehmen wir mal an, Du hast ein 1000 Euro Konto, und Du hast festgelegt, pro Trade 1 – 2% Deines Kapitals maximal für einen Trade zu riskieren. Wenn Du nun beim letzten Trade 100 Euro versemmelt hast, hast Du jetzt nur noch ein 900 Euro Konto. 1-2% hiervon ergeben nicht dieselbe Summe für Deinen nächsten Stopp wie beim letzten Trade. Also Neuberechnung zwecks Kapitalschutz. Funktioniert übrigens auch andersrum, und macht sogar richtig Sinn. Je mehr Kapital, desto mehr ergibt die Summe für 1 – 2 % davon, so dass Du evtl. schon eine höhere Anzahl an Kontrakten in den Markt bringen und Deine Gewinne damit erhöhen kannst, obwohl Du wieder nur 1 – 2 % riskierst. 

Hierfür solltest Du die Umrechnung der Pips in Summen beherrschen. So erwischt Dich kein zu großer Stopp eiskalt, nachdem du ihn gesetzt hast.
Ist mir anfangs häufiger passiert:
Abstand per Augenmaß geschätzt, Stopp gesetzt, VOLL ERSCHROCKEN WEIL VIEL ZU GROß!!! Ja die Sache mit den verschiedenen Timeframes stand bis dato auch noch auf der To Do Liste! 

4) Führe Dein Trading Tagebuch akribisch! Ganz ehrlich: Dazu hatte ich nun ÜBERHAUPT keine Lust und habe sie bis heute nicht. 

Aber folgende Infos hatte ich mir zu diesem Bereich rausgesucht, und falls Du das gern machen möchtest, hilft Dir das villeicht ein wenig weiter. Also:
nicht nur mal morgens den Kontoauszug vom Vortag überfliegen!
Lass nichts an Nachlässigkeiten durchgehen, nur weil… 

(hier bitte einsetzen, was DU generell als Entschuldigung verwendest, warum Du heute kein Tagebuch über Deine Trades geführt hast:))
Ich hatte da jede Menge Entschuldigungen und Ausreden! 

Mache Dir Notizen zu jedem Trade, egal ob Gewinner oder Verlierer.
Im Folgenden habe ich noch einmal genau zusammengefasst, welche Einträge ich mir für mein Tagebuch vorgenommen hatte. Es gibt wirklich gute Videos zu diesem Thema.
Wichtig ist hier übrigens auch einzutragen, ob Du Dich diszipliniert an Dein Regelwerk gehalten hast. Dabei sind positive wie negative Rückmeldungen 

festzuhalten, denn in dieser Ausbildung gibt es weder Lehrer noch Arbeitgeber, von denen Du ein Lob oder Kritik erhalten könntest. Also gib Dir selbst einen auf den Deckel, aber finde auch Motivation in kleinen Erfolgen! 

Das Trading Tagebuch – so habe ich es ersetzt:-) 

Wie bereits erwähnt bin ich ein Anstrengungsvermeider, und damit auch viel zu faul, ein Tagebuch zu führen. Alles was ich im Kopf erledigen kann, also gedanklich, dass setze ich auch genau so um. Warum etwas aufschreiben, wenn ich mir die wichtigen Infos einfach merken kann. ( Diese Diskussion habe ich schon mit den Lehrern früher geführt 😉 ) Und wichtige Infos waren für mich nicht, zu welchem Preis an welchem Datum ich um welche Uhrzeit eingestiegen bin, sondern welchen Fehler ich gemacht hatte. Den habe ich rausgefunden und mir gemerkt. Reicht doch. Um den Fehler zu finden, konnte ich mir die Daily Confirmation meines Brokers raussuchen, die schlimmsten Verluste rauspicken und im dazugehörigen Chart Markierungen für entry und exit einzeichnen. Schon war deutlich zu erkennen, welcher Fehler passiert war. Den habe ich mir gemerkt, und mir daraus langsam aber sicher mein Regelwerk herausgearbeitet – auch gedanklich. Auf schriftliche Aufzeichnungen hätte ich eh nie wieder draufgeschaut. 

Ein Beispiel für gemerkte Fehler:
Ich habe es mit der Präzision eines schweizer Uhrwerks geschafft, immer GENAU an dem Punkt einzusteigen, an dem der Kurs seine Richtung wechselte – natürlich in die falsche Richtung!
Das hatte ich meinem Mentor einmal per Email geschildert, und seine Antwort lautete: „Üben, üben, üben!“
Erst dachte ich: „Na toll, schöne Hilfe.“ Aber er sollte Recht behalten. „Üben“ wurde für mich zu: „Fehltrades analsieren, Fehler merken und nicht wiederholen“. In diesem Fall lag es übrigens daran, dass ich zwar von Widerständen und Unterstützungen gehört hatte, sie aber überhaupt nicht beachtete. Wenn ich es punktgenau schaffte, in die falsche Richtung einzusteigen – warum dann nicht einfach einen Trade zum gleichen Zeitpunkt in die andere Richtung eröffnen??? 

Bei diesen Analysen, genau wie bei der Arbeit im Chart, nahm ich mir vor, immer auf die gleiche Weise vorzugehen, um Routine hinein zu bekommen: 

  • Daily Confirmation des Brokers schnappen
  • Chart öffnen
  • Tag und Uhrzeit der Trades raussuchen, die schief gelaufen sind
  • Einstieg und Ausstieg des Fehltrades im Chart markieren
  • anschauen, was man hätte besser machen können.
  • Fehler suchen, merken, nicht wiederholen!

Mit dieser Analyse ergaben sich nachhaltige Verbesserungen, denn hier wurde deutlich, an welchen Punkten ich immer wieder falsch in den Markt sprang. Wie bereits erwähnt, heisst es:

Es gibt definitiv KEIN BESSERES WERKZEUG als Dein 

( wenn auch gedankliches ) Trading Tagebuch!!!!!
Wie willst Du Veränderungen und damit Verbesserungen in Deinem Trading herbeiführen, Gewinne realisieren, wenn Du nicht weißt, was Du falsch machst??
Ich habe den Aufwand bloß reduziert auf das, was mir wichtig war.
Ich kann Dir nur wärmstens empfehlen, auf irgendeine Art, und so ausführlich wie Du es für Dich am besten empfindest, ein Tagebuch zu führen, denn es ist DEIN LEHRER FÜR DEINE ZUKÜNFTIGEN REAKTIONEN.
Nur dein Tagebuch kann Dir einen Spiegel vorhalten, und Dir klar und ehrlich Deine bisherigen Fehler aufzeigen. Im Nachhinein noch einmal auf die Trades zu schauen, die Du versemmelt hast, ist wirklich sehr hilfreich bei der Fehlersuche. Ein Stichwort reicht mir dann immer schon, um den begangenen Fehler in eine Kategorie einordnen zu können. 

Hier ein paar Beispiele: 

  • Retest nicht abgewartet
  • Widerstand / Unterstützung nicht beachtet
  • Korrelationen nicht mitbedacht
  • zu früh in einen vermeintlichen Ausbruch gesprungen
  • Trend / Range nicht in die Planung einbezogen
    Meine Fehler in solche Kategorien einzuordnen ergab die Möglichkeit, mich nach und nach immer weiter in diese Materie hineinzuarbeiten. Nicht zuletzt schulte ich damit mein Verhalten während des Tradens, und ich lernte zusätzlich, besser damit umzugehen, dass ich einfach auch mal falsch liegen durfte, dass es normal war, falsch zu liegen. Egal wie Du sie erstellst, eine Zusammenfassung Deiner Trades, einen Rückblick auf Murks, den Du veranstaltet hast, in irgendeiner Form solltest Du auf jeden Fal umsetzten. Und wenn Du so faul bist wie ich, dann eben so wie ich es mache.
    …noch einige psychologischen Aspekte zum Thema Tagebuch

Die Psyche macht das Traden zu einer Herausforderung, die für jeden Menschen anders aussieht. Jeder Mensch ist anders. Jeder geht anders mit seinen Emotionen um. 

Jeder Mensch ist unterschiedlich diszipliniert, und jeder Mensch sieht die Dinge aus seinem Blickwinkel. Warum sonst gehen im gleichen Chart zur gleichen Zeit so viele Menschen so unterschiedliche Trades ein?
Jeder sieht die Dinge anders, jeder schätzt Situationen auf seine Art ein und jeder fühlt sich in dem Moment, in dem er den Trade eingeht, gerade anders. 

Also einzige Chance: Erfahrungswerte sammeln! 

Ein Beispiel:
In der ersten Woche in einem neuen Job bist Du aufgeregt, hast vielleicht auch Angst oder hoffst, dass alles läuft. Aus dieser Unsicherheit heraus machst Du Fehler.
Nach einer Weile aber sind diese Emotionen unnötig, denn Du kennst Dich jetzt aus. Kennst Deine Aufgaben, Deine Kollegen usw.
Genau das sollte mein Ziel beim Traden sein: die Charts zu öffnen und genau zu wissen, was jetzt zu tun ist. Von der aktuellen Information zum Verlauf der Kurse seit ich das letzte Mal die Charts geschlossen hatte über mögliche Einstiege, die mir dann ins Auge fallen sollten bis hin zum Trademanagement nachdem ich eine Position eröffnet habe. Wie auf einem normalen Arbeitsplatz sollten alle Aufgaben sitzen. 

Ich habe mir meine Fehltrades angeschaut, und sehr häufig Hoffnung, Wut und Angst im Chart gefunden. Diese bildeten sich auch bei meinen Ein- und Ausstiegen ab. Wie oft habe ich mir an den Kopf gefasst und gedacht: „NEIN! Wie bescheuert! Das wusste ich doch besser!“ Und trotzdem bin ich monatelang diese Trades eingegangen und habe sie so laufen lassen, wie sie schlussendlich liefen. 

Gewinne zu schnell mitgenommen, in einer kleinen Bewegung von 10 Kerzen im M5 Chart vier Mal short und long abwechselnd eingestiegen – Wut, Verluste wieder reinholen, Mist – Richtungswechsel! – Verdammt! Noch mehr Verluste!!!
All das sieht man hinterher und fasst sich echt nur noch an den Kopf. 

Doch durch diese aktive Korrekturarbeit im Chart entstanden nach einiger Zeit Routine und Grundwissen, und die beiden vertrieben nach und nach die Emotionen. Meine ursprüngliche Idee funktionierte! Wenn ich mich heute an den Chart setze, ziehe ich genau den Ablauf durch, den ich für mich zugeschnitten habe, und gehe die Trades genau so ein, wie ich es mir vorgenommen habe. Im Trader’s Magazin habe ich mal einen Spuch gelesen, der sinngemäß besagte, dass Trader wählerisch sein sollten. Und genau diese Beobachtung machte ich mit der Zeit: Ich ging all meine Kriterien für die Eröffnung einer Position durch. War ein Punkt dabei, der nicht erfüllt wurde, ließ ich es sein. 

Das klappte aber erst, als ich langsam aber sicher meine Ungeduld in den Griff bekam, und in meine Vorgehensweise alles mit einbezog, was passieren konnte.
Wurden es Verlusttrades, war es ok, weil ich wußte, dass ich den kleinstmöglichen Stopp gesetzt und damit nichts verschenkt hatte. Liefen Sie in den Gewinn, holte ich das mir mögliche Maximum aus dem Trade raus. Dazu später mehr. 

Je sicherer ich wurde durch meine tägliche Arbeit am Chart, desto weniger konnten mir Emotionen ins Handwerk pfuschen. Es ist einfach eine ganz normale Entwicklung wie in jedem anderen Beruf auch. 

Weiter geht’s mit den Regeln: 

5) Feste Trading Zeiten einführen, denn sie bringen regelmäßige Abläufe und damit Sicherheit. Und Sicherheit führt wiederum zu weniger Emotionen.
Ein „ Ach ich habe gerade ne Stunde Zeit, trade ich doch mal ne Runde“ brachte mir häufig Verluste, weil ich durch leichtsinniges „in den Markt springen“ in Zeitdruck kam. Stundenlanges Aussitzen der sich im Verlust befindenden Positionen ersetzte die geplante Stunde, in der ich noch ein paar Euro reinholen wollte. 

Es fehlt zum einen die Ernsthaftigkeit, die Struktur, eben die erforderliche Disziplin, und zum anderen einfach die Zeit, wenn man so planlos agiert.
Diese vergeht vor den Charts wie im Flug wenn man im Verlust hängt und mit einer völlig falschen Herangehensweise arbeitet. Es hat mich Stunden und Nerven gekostet. Diese Problematik versuchte ich zu beheben unter anderem durch einen anderen Trading Stil, der doch bestimmt wesentlich besser zu mir passte. Vom Daytrading ab zum Swingtrading. Schluss mit dem hektischen Hineinspringen und Aussitzen, so konnte das nicht richtig sein. 

Ich war fest davon überzeugt, dass meine Positionen ab sofort über mehrere Tage laufen und wesentlich höhere Gewinne einfahren würden – nur der Kurs war irgendwie völlig anderer Meinung. 

Das Zitat von Bill Lipschutz umzusetzen, über das ich auf Twitter stolperte, ohne zu wissen, wie man das am besten macht, brachte mir auch nichts.
Trotzdem hat er Recht, wenn er sagt: 

If most traders would learn to sit on their hands, they would make a lot more money. 

Aber „sich auf seine Hände setzen“ allein reicht nicht:( 

6) Last but not least:
Vergiss NIIIIIIEMALS, vor dem ersten Trade in den Wirtschaftskalender zu schauen. Zinsentscheide oder ein NFP Tag können Dir übelst die Laune
vermiesen, wenn Du auf die plötzliche Volatilität nicht vorbereitet bist. 

Dieses Stichwort führt übrigens gleich zum nächsten Punkt: 

7) Pass auf Deine Laune auf.
Wenn Du einen echt blöden Tag hinter Dir hast, Kummer, Stress oder sonstige negative Einflüsse präsent sind: Lass es an diesem Tag einfach. Geh‘ lieber spazieren, lies ein gutes Buch oder hau Dich ins Bett. Dein Kapital wird es Dir danken. 

8) Bereite Dich ordentlich im Vorfeld auf den Trade vor: 

  • Trendlinien neu einzeichnen,
  • Korrelationen beachten,
  • wo kommt der Stopp hin,
  • wo finden sich Unterstützungen und Widerstände,
  • welche Kontraktgröße,
  • wie reagierst Du, wenn der Kurs gegen Dich läuft,
  • wie wenn er für Dich läuft?
  • Nimmst Du Teilverkäufe vor?
  • Ziehst Du den Stopp nach?
  • Wenn ja wohin?
  • Wann steigst Du aus?
  • Wo liegt Dein Ziel?


Plan A und Plan B, alles muss im Vorfeld stehen. Und eben auch das Trade

Management. Es entscheidet über die Höhe Deines Gewinns.
Mir die Antworten auf alle diese Fragen herauszuarbeiten, Regeln aufzustellen und zu lernen sie auch einzuhalten, gab mir ein erstes Gefühl von Weiterentwicklung und damit ein wenig Sicherheit. Ich hatte einen Plan – war also wieder einen Schritt weiter. Und diesen Plan hatte ich erstellt aufgrund eigener erster Erfahrungswerte. Also war ein kleiner Meilenstein erreicht.


Zudem nahm mein Vorgehen langsam wirklich Form an. Genau wie auf einem Arbeitsplatz, an dem feste Regeln herrschen, brauchst Du diese auch, um als Trader Dein Geld zu verdienen. Es ist ein Beruf – nicht vergessen! Und einen Job auf die leichte Schulter zu nehmen hat noch niemanden erfolgreich werden lassen. Schriftlich solche Gesetze festzuhalten gab mir zudem das Gefühl der Seriosität meines Handelns denke ich, denn oft genug zweifelte ich selbst an mir, oder bekam ein müdes Schmunzeln als Reaktionen, wenn ich im Bekanntenkreis von dieser Ausbildung erzählte.

Der nächste Schritt war nun, den Umgang mit den Werkzeugen eines Traders zu lernen, sowie die regelmäßige Umsetzung all der oben genannten Punkte. …

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